Pestessig und die Legende der vier Diebe

Pestessig und die Legende der vier Diebe

Einer der vielen vielen Gründe, warum ich von Kräutern, Heilkräutern aber auch Zauberpflanzen, worunter auch viele Giftpflanzen fallen, begeistert bin, ist ihre Geschichte und die vielen Legenden, die sich um bestimmte Pflanzen ranken. Ist es nicht faszinierend, wie unsere Vorfahren Krankheiten überstanden oder abgewehrt haben, bevor es Impfungen oder synthetisch hergestellte Medizin gab? Heute ist vieles schon sehr gut erforscht und wird in der Phytotherapie eingesetzt, viele Pflanzen sind aber auch in Vergessenheit geraten, weil giftig gleich mit tödlich übersetzt wurde oder wird und damit nicht mehr in Gebrauch  ist. Viel Wissen ging über Jahrhunderte verloren, was mich auch dazu bewegte, mich immer intensiver damit auseinanderzusetzen und jenes Wissen aus einer anderen Zeit an möglichst viele Menschen weiterzugeben. Eine Legende möchte ich euch hier erzählen.

Die Vier Diebe und der Pestessig

Im Jahr 1720 wütete u.a. in Südfrankreich die Pest. Es wird erzählt, dass zu der Zeit vier Diebe durch die Städte gingen und Pestkranke oder Tote ausraubten, ohne sich anzustecken. Als man sie gefangen nahm, versprach man ihnen die Freiheit unter einer Bedingung: Sie mussten verraten, wodurch sie gegen die Epidemie immun waren. Sie nannten das Rezept eines Essigs, das sie von einer alten Frau bekamen. Sie wuschen sie damit und trugen in diesem Essig getränkte Tücher vor dem Mund. So entstand der „Essig der vier Diebe“ oder „Essig der vier Räuber“, „Giftessig“ oder „Pestessig“. Das Kräuteressig-Rezept gibt es heute in vielen verschiedenen Varianten, von denen ich euch hier eines vorstelle. Viele Zutaten dieses Kräuteressigs haben durchaus ihre Berechtigung bei grippalen Infekten, da einige darin verwendete Kräuter oder Lebensmittel medizinisch auch sehr gut auf ihre Wirksamkeit untersucht sind.

Weinraute – giftig oder heilsam?


Weinraute war oder ist in einigen Rezepten ein Bestandteil dieses Essigs. Im Bild übrigens unsere wuchernde Weinraute zu sehen, die im Mittelalter als mächtige Heil- und Zauberpflanze galt. Heute geht man mit ihr sehr vorsichtig um. Bei falscher bzw. übermäßiger Dosierung ist sie aufgrund ihrer Inhaltsstoffe giftig, für Schwangere absolut tabu und kann bei Berührung Hautausschläge auslösen.
Ich verwende sie allerdings sehr gerne zum Räuchern, wo sie auf der feinstofflichen Ebene so einiges klären kann. Kulinarisch wird sie heute übrigens u.a. noch in Spirituosen wie im italienischen Grappa oder kroatischen Travarica verwendet sowie sehr sparsam in Saucen,
Für mich jedenfalls eine der Pflanzen, die ich im wahrsten Sinne des Wortes mit (Samt)Handschuhen anfasse. Ich habe bei dem Essig-Rezept darauf verzichtet, da ich dem Grundsatz folge: Wo ich mir unsicher bin, lasse ich die Finger davon.

Vier Räuber Essig und seine Anwendungsbereiche

Bei uns ist Essig ein wesentlicher Bestandteil der Hausapotheke. Für Fieber nehme ich Hollunderessig mit Kren/Meerrettich, bei anderen grippalen Infekten bzw. zur Vorbeugung setze ich auf unser natürliches Antibiotikum aus Kapuzinerkresse, Thymian und Krenwurzel, die ich in Essig einlege und so eine Tinktur herstelle.
Essig wird bei uns aber ebenso zum Putzen verwendet oder als Weichspüler beim Wäschewaschen.

Wie jeder andere Essig, kann auch dieser sowohl äußerlich z.B. als Umschläge, Waschungen, Mundspülung etc, als auch innerlich angewendet werden. Innerlich wird bei akuter Ansteckungsgefahr oder zur Stärkung des Immunsystems täglich 1 EL dieses Elexiers eingenommen – am besten mit etwas Wasser verdünnt oder auch als Oxymel mit etwas Honig.

Und so habe ich den Essig der Vier Räuber hergestellt:

  • Je 3 EL frisch zerkleinerter Salbei, Minze, Thymian und Rosmarin
  • Je 2 EL frisch zerkleinertes Wermutkraut und Lavendelblüten (getrocknet)
  • 1 EL Engelwurz, getrocknet (bekommt ihr auch in der Apotheke)
  • 2 TL Wacholderbeeren
  • 1 kl. Zimtstange
  • 3 Knoblauchzehen, fein gehackt
  • 1/2 kl. Muskatnuss, fein gehackt oder gerieben

Die Zutaten habe ich in 1 Liter Weißweinessig eingelegt. Nun zieht das ganze für etwa 3-4 Wochen und wird anschließend abgeseiht. Wichtig wie immer: Jeden Tag 1-2 Mal schwenken.

Die Farbe und der Geruch des Essigs verändert sich bereits nach wenigen Stunden, sodass ich wirklich auf das Endergebnis sehr gespannt bin.

Möchtest du mehr zu Rezepten für die Hausapotheke oder Heilpflanzen erfahren? Vielleicht sind meine Kursangebote für dich interessant 🙂


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